8. EOP 2015

MADRID. Zwei Regisseurinnen haben den 8. Europäischen Opernregie-Preis 2015 für sich entschieden. Die Deutsch-Schweizerin Anna Drescher aus Stuttgart und die Griechin Niki Ellinidou und ihre Teams sind jeweils mit dem ersten Preis des Wettbewerbs ausgezeichnet worden. Weitere Preise wurden nicht vergeben.

Die Regisseurinnen überzeugten die Jury unter dem Vorsitz des Generalintendanten des Badischen Staatstheaters Karlsruhe Peter Spuhler mit ihren Konzepten zu der Kammeroper „Weiße Rose“ von Udo Zimmermann und mit ihrer engagierten Probenarbeit. „Die beiden Kandidatinnen haben sehr unterschiedliche Regieansätze verfolgt, die beide auf ihre Weise dem Werk und seiner Problematik gerecht werden“, erklärte Spuhler. Eine Entscheidung für das eine oder andere Konzept wäre den Leistungen nicht gerecht geworden.

 

Der Vorsitzende der Camerata Nuvoa in Wiesbaden Armin Kretschmar und der Direktor der Opera Europa in Brüssel Nicholas Payne, die den Europäischen Opernregie-Preis ausrichten, folgten daher der Empfehlung der Jury und verliehen zwei erste Preise. Die Auszeichnungen wurden vom Schirmherren des Wettbewerbs, Staatsminister Axel Wintermeyer, im Teatro Real in Madrid überreicht.

 

Die beiden Preisträgerinnen erhalten jeweils 15.000 Euro Preisgeld als Regiehonorar. Niki Ellinidou und ihre Ausstatterin Nefeli Myrtidi werden ihr Konzept an der Oper Köln im Oktober 2016 zur Aufführung bringen, Anna Drescher, die deutsch-libanesische Ausstatterin Hudda Chukri und der deutsche Dramaturg Maximilian Hagemeyer werden ihr Konzept am Theater Biel Solothurn umsetzen. Premiere ist am 4. November 2016.

 

Um den 8. Europäischen Opernregie -Preis 2015 hatten sich 160 Kandidaten aus 26 Nationen beworben. Vier Teams waren nach der Vorauswahl zum Finale vom 6. bis 8. Mai nach Madrid eingeladen worden. In der Endrunde mussten die Teilnehmer vor einer prominenten Intendantenjury auf der Probebühne des Teatro Real Madrid eine Szene aus ihrem Konzept zu der Kammeroper „Weiße Rose“ erarbeiten.

 

Der Jury des 8. Europäischen Opernregie-Preises gehörten an:

Peter Spuhler (Juryvorsitz)
Generalintendant Badisches Staatstheater Karlsruhe

Dr. Birgit Meyer
Intendantin Oper Köln

Dieter Kaegi
Directeur Général Theater Biel Solothurn

Detlef Brandenburg
Chefredakteur „Die Deutsche Bühne“

David B. Devan
General Director Opera Philadelphia

 

„WACHBLEIBEN, WACHBLEIBEN“ und „NICHT MEHR SCHWEIGEN“ sind zwei Zitate aus der Kammeroper „Weiße Rose“ von Udo Zimmermann. Sind die beiden Zitate für uns vielleicht die zentrale Botschaft dieses Werkes? Am 18. Februar 1943 wurden die Geschwister Scholl in München verhaftet und nur vier Tage später mit dem Fallbeil hingerichtet!

Die Kammeroper schildert die letzten Stunden von Hans und Sophie Scholl in Stadelheim in 16 Szenen. Dazu bedient sich der Librettist Wolfgang Willaschek zum größten Teil der Briefe und Tagebuchnotizen der Geschwister, die er zu einem „hochexpressionistischen Text“ verarbeitet hat.

Die Camerata Nuova und die Opera Europa haben sich bewusst die Oper „Weiße Rose“ als Aufgabe des 8. EOP ausgesucht, denn die zur Zeit weltweiten politischen Turbulenzen fordern geradezu zum „WACHBLEIBEN UND NICHT MEHR SCHWEIGEN“ heraus.